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23-07-2018

Nachhaltig mehr Milch aus Raufutter erzeugen

Der Tolakker

Milchviehbetrieb De Tolakker gewinnt Agroscoop-Pokal 2018

Gutes Raufutter ist die Grundlage für die hohe und zugleich gesunde Milchproduktion im biologischen Milchviehbetrieb De Tolakker in Utrecht (NL). Mit einer Produktion von 19,0 kg gemessener Milchmenge (Rauhfutter/Kuh/Tag) bei einer 365-Tage-Produktion von 10.823 kg Milch gewinnt De Tolakker den Agroscoop-Pokal 2018.

Der biologische Milchviehbetrieb De Tolakker hat eine Bestandsgröße von 70 Milchkühen und zudem einen Lehrbetrieb der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Utrecht. Mit Reudink arbeiten sie an der idealen Ration für Milchkühe, bei der hochwertiges Raufutter die Grundlage bildet. Mit präziser Düngung, einem ausgeklügeltem Mäh-, Ernte- und Weideprotokoll und einem guten Silage-Management ist eine hohe Milchproduktion aus dem auf dem Betrieb erzeugten Raufutter möglich. Außerdem arbeiten sie hochmotiviert und nach einheitlichen Protokollen an einer guten Hygiene und Tierpflege.

Das richtige Timing

Jorn Vernooij, Leiter des Veterinärdienstes, konzentriert sich 100 % auf die Futtermittelproduktion aus 150 ha Grünland, 1 ha Maisfeldern und 9 ha Grünland mit Erbsen. Das Areal besteht aus 70 ha mit biologischem Anbau.  "Durch Fokus, Wissen und das richtige Timing erzielen wir eine hohe Raufutter-Qualität. Ich arbeite sehr eng mit dem Lohnunternehmen zusammen und das ist entscheidend für den Erfolg", erklärt Jorn. "Demnächst beginnen wir mit dem Mähen des Grünlandes, auf dem wir auch Erbsen für einen höheren Eiweiß-Ertrag gesät haben. Der Erntezeitpunkt wird sehr genau bestimmt: kurz bevor die Erbsen aus der Schote platzen. So bleiben sie in der Schote und es kann ein hoher Ertrag gewährleistet werden. Die gemähten Erbsen werden sorgfältig zusammen gewardet, woraufhin der Lohnunternehmer die Erbsen mit dem Häcksler leicht quetscht. So kann die Kuh die Erbse besser nutzen."

Die Oberhand behalten

Für die Düngung des Grünlandes mit Erbsen wird nur Festmist verwendet, da Erbsen weniger Stickstoff aus Dünger benötigen. Für die Düngung der Maisfelder wird auch Jauche verwendet. "Wir säen schon seit Jahren die Maissorte Ronaldinho. Diese mittelfrühe Sorte hat eine schnelle Jugendentwicklung und ist wenig anfällig für den Befall mit Blattflecken", erklärt Jorn. "Es ist sehr wichtig, den Mais weitgehend unkrautfrei zu halten. Dazu pflügen wir direkt vor der Saat zur Grundbodenbearbeitung. Für den biologischen Anbau bedeutet das, dass man die Oberhand behalten muss und das bereitet mir Genugtuung."

Geringe Zellzahl

Neben der ausgezeichneten Futterqualität gehören auch die Tierversorgung nach festen Protokollen und die gute Hygiene zu den Erfolgsfaktoren von De Tolakker. Gemeinsam mit ihrem Team kümmert sich Leonie de Jongh-Vernooij um die Haltung der 70 Milchkühen und des Jungviehs auf dem biologischen Milchviehbetrieb De Tolakker. Außerdem unterrichten sie täglich Studenten der Veterinärmedizinischen Fakultät. Bei so vielen veterinärmedizinischen Kenntnissen ist es nicht verwunderlich, dass auf dem biologischen Milchviehbetrieb die Gesundheit der Tiere hohe Priorität hat. "Nur mit gesunden Kühen, die gut fressen, kann auf verantwortungsvolle Weise eine hohe Milchproduktion gewährleistet werden", davon ist Leonie überzeugt. Und dass es um die Eutergesundheit gut bestellt ist, erkennt man daran, dass die Zellzahl regelmäßig niedriger ist als bei der Betriebsstandardkuh (BSK). 

Arbeiten nach Protokoll

Protokoll Milchstall

Die Arbeiten werden an festen Tagen und zu bestimmten Zeiten durchgeführt. Um 7:30 Uhr werden die Liegeboxen die Kühe gereinigt. Jeden Montag wird eine Einstreumischung aus Kalk und Stroh eingestreut. Täglich werden die Wassertröge gereinigt und die Futtertröge geleert, bevor das neue Futter vorgelegt wird. Alle zwei Wochen bekommen die Kühe ein vorbeugendes Fußbad und einmal im Jahr wird von einem Profi eine fachgerechte Klauenpflege durchgeführt. Zwischendurch bearbeiten sie - wenn nötig - selbst die Klauen.

"Gemolken wird auch nach einem festen Protokoll in einem 2 x 6 Fischgräten-Milchstall", erzählt Leonie. "Wir melken mit Handschuhen, Schürze und einer sauberen Melkanlage. Nach 2500 Melkungen wird das Zitzengummi der Zitzenbecher ersetzt. Wir rasieren die Euter, damit wenig Schmutz hängen bleibt. Vor dem Melken säubern wir die Euter mit einem feuchten Einmaltuch zur Zitzenreinigung (jede Kuh ein separates Tuch) und das Euter wird sorgfältig gedippt. Nach dem Melken werden die Zitzenbecher mit Airwash sauber gespült. Wir melken dreimal täglich, wobei wir morgens und mittags selbst melken. Abends melken Studenten. Bei den verschiedenen Melkern ist ein festes Melk-Protokoll sehr wichtig. Meine Erfahrung ist, dass das Führen eines Milchprotokolls zu mehr Achtsamkeit und Bewusstsein führt."

Beobachten und direkt handeln

"Wir beobachten außerdem sehr genau das Verhalten und Aussehen der Tiere. Kotkonsistenz, Pansenfüllung, Wiederkauaktivität ist das Schwerpunkt-Protokoll für die Tiere. Wenn wir eine Abweichung feststellen, handeln wir sofort. Wenn wir vermuten, dass ein Euter entzündet ist, nehmen wir eine Milchprobe. Wenn wir Anzeichen einer schleichenden Ketose beobachten, kontrollieren wir die Ketonkörper, oder wenn wir Milchfieber vermuten, kontrollieren wir die Calciumwerte. Natürlich ist es hilfreich, dass wir durch die Studenten viele Beobachter im Stall haben", gibt Leonie zu. "Aber die Grundlage für gute Gesundheit und Produktion ist vor allem, dass wir schnell handeln und nicht abwarten."

Übergangsmanagement

Die Transitphase ist die Phase, in der 80 % der Probleme entstehen. Die richtige Ration, gutes Management und genaue Beobachtung sind entscheidend. Leonie erklärt, wie das auf De Tolakker umgesetzt wird: "Sieben Wochen vor dem Abkalbedatum werden die Kühe trockengestellt. Abhängig von der Menge Milch, die sie dann noch erzeugen, vergeht die Milch von selbst oder schrittweise, indem Melkungen ausgelassen werden. Die trockenstehenden Kühe kommen in den Kompostierungsstall und bekommen die Ration für trockenstehende Kühe, die aus Silage des 2. oder 3. Schnittes vom ungedüngten Grünland besteht. Der Kaliumgehalt dieser Ballen darf nicht zu hoch sein. Darüber hinaus bekommen die Kühe Trockenstand-Mineralien und 200g Bio-Sojaexpeller pro Tag für eine ordnungsgemäße Abdeckung des Eiweißbedarfs (abhängig vom Eiweißgehalt der Grassilage). Nach dem Abkalben legen wir das Kalb sofort in die Futterraufe. Die Kuh leckt dann das Kalb sauber und frisst sofort. Das ist wichtig für einen reibungslosen Start. Wir geben extra Eimer Wasser, weil die Kuh von sich aus nicht ausreichend Wasser trinkt. Das Kalb kommt dann in ein sauberes Iglu. Wenn die Kuh nach dem Kalben fit ist, darf sie schon am nächsten zu den frischen Kühen. Die frischen Kühe bekommen die Raufutter-Basisration. In dreißig Tagen wird die Bio-Kraftfutter-Zugabe auf 10 kg pro Kuh pro Tag aufgebaut." Pro 1 kg gemessener Milchmenge füttern wir durchschnittlich 160 g Kraftfutter. Die gesamte Milchleistung liegt bei 34,5 Liter pro Tag.

Agroscoop-Pokal

Das Team von Der Tolakker
TV-Moderatorin Yvon Jaspers (Mitte, unter) übergibt den Agroscoop-Pokal 2018 an das Team von 'De Tolakker'.

Mit diesen klingenden Zahlen und der hohen Produktion von 19,0 kg gemessener Milchmenge pro Kuh pro Tag aus dem Rauhfutter gewinnt De Tolakker den Reudink Agroscoop-Pokal 2018. Am 17. Mai wurde dem Team der Preis von der TV-Moderatorin Yvon Jaspers überreicht.